Mehr Schein als Sein

Seit über zehn Jahren arbeiten wir an der flächendeckenden Umsetzung der Wettkampfstrukturen für den Kinder- und Jugendhandball. Doch bringen diese Vorgaben wirklich auch eine Qualitätssteigerung in unsere Nachwuchsausbildung?

Mancher würde sagen: Typisch deutsch. Wir wollen das Problem über die Rahmenbedingungen lösen – und verkennen dabei die Verantwortung und die Bedeutsamkeit des einzelnen Menschen.

Um Einfluss auf die Jugendausbildung und in Folge die Trainingsinhalte zu nehmen, machen wir Wettkampfvorgaben. Für die Altersklassen von den Minis bis – inzwischen – zur C-Jugend ist klar reglementiert, welche Abwehrformationen erlaubt und welche verboten sind: von verschiedenen Formen der Manndeckung über die 1:5- bis zur 3:2:1-Abwehr.

Man könnte den Eindruck gewinnen, dass allein durch die Umsetzung der Wettkampfvorgaben im Kinder- und Jugendhandball sich die Kids zu besseren Spielern entwickeln, weil sie entsprechende Fähigkeiten im Spiel, nebenbei, von allein lernen. Ganz ehrlich? Diese Beobachtung konnte ich in den vergangenen zehn Jahren nicht machen.

Wenn die Spielerinnen im Übergang D-/C-Jugend zu uns in den Landesverbandsstützpunkt kommen, mangelt es weiterhin an elementaren Grundlagen in Angriff und Abwehr, deren Erlernen die Vorgaben doch provozieren sollen: Bewegung vor und bei der Ballannahme, das Erkennen und Anlaufen von freien Räumen im Angriff, Positionierung zwischen Angreifer und Tor, Beobachtung von Ball und Gegenspieler in der Abwehr, Basics der Zweikampfführung vorne wie hinten. Unterschiede, ob die Spielerinnen aus einem Bereich mit guter oder nur rudimentärer Umsetzung der Vorgaben kommen, sind dabei nicht zu erkennen.

Und letztlich doch nicht verwunderlich: Das zentrale und entscheidende Element in der Ausbildung unserer Spieler ist und bleibt der einzelne Trainer, sein Know-how und ganz besonders seine Korrekturkompetenz. Dass es daran vor allem in den jüngeren Altersbereichen, wo die Grundlagen gelegt werden sollen, mangelt, ist leider Fakt.

Doch anstelle das 15. Seminar abzuhalten, in dem die Wettkampfvorgaben gezeigt werden – das ist eine sinkende Manndeckung, so sieht eine 1:5-Abwehr aus -, brauchen unsere Kinder- und Jugendtrainer vor allem Beobachtungs- und Korrekturtraining, basierend auf einer klaren Bewegungsvorstellung. Sie müssen lernen, Fehler zu erkennen und Spieler zum Ziel hin zu entwickeln. – Doch das vermittelt man nicht in einer vierstündigen Vormittagsschulung.

2 Gedanken zu „Mehr Schein als Sein

  1. Helmut Eitel Antworten

    Wie komme ich an die Wettkampfvorgaben für männl. C-Jugend

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