Handikap Harz-Verbot

Bei allen Diskussionen über mögliche Verbesserungsansätze in der Nachwuchsförderung bleibt ein Thema in der Regel unangetastet: das Kleber-Verbot.

Handball ohne Harz ist wie …? Vervollständige den Satz selbst. – Auf jeden Fall ist Handball ohne Harz anders, weniger attraktiv und spektakulär, irgendwie eingeschränkt und nur ein blasses Abziehbild von dem, was sein könnte. Das gilt besonders für den Jugendhandball und vor allem für den Mädchenbereich.

Während in anderen Ländern bereits die Kids in den Pattetopf fassen, wird hierzulande vielerorts – und besonders auch in Hessen – allein die Idee, könnte man nicht mal, bereits mit strengen, strafenden Blicken bedacht. Das Spiel ohne Harz, hat sich scheinbar so in die Köpfe mancher Entscheider und Gestalter eingebrannt, dass eine andere Welt schon un-denk-bar ist.

Dabei liegen die Vorzüge des Haftmittels für die Qualität des Spiels und vor allem der Nachwuchsausbildung auf der Hand. Eine gesteigerte Pass- und Wurfqualität, ein um ein Vielfaches gehobenes technisches Niveau und ein größerer Variantenreichtum im Umgang mit dem Ball. Letztlich ist es ein ganz anderes Spiel – für Spieler und Zuschauer.

In der Konsequenz bedeutet ein solches Verbot für unseren Nachwuchs ein Ausbildungsdefizit, für die Talente einen Wettbewerbsnachteil. Die ersten gravierenden Unterschiede werden bei der DHB-Sichtung (Mädchen: 2. Jahr C-Jugend) deutlich. Bereits hier ist Handball in Deutschland eine Zwei-Klassen-Welt: Harz oder nicht Harz.

Der Haftmitteleinsatz ist einer der entscheidensten Ansätze zur Qualitätssteigerung in der Nachwuchsförderung – insbesondere im Mädchenhandball. Jedoch: Niemand scheint an dieser Festung ernsthaft rütteln zu wollen. In Diskussionen über Verbesserungsansätze bleibt das Thema ein Tabu. Warum?

In Hessen wird in der kommenden Saison genau eine Mädchenmannschaft im Wettkampf Harz benutzen dürfen – weil das Team in der Jugendbundesliga antritt. Nicht mal die Landesverbandsteams haben bei den Lehrgängen und in den Stützpunkten durchgehend die Möglichkeit, Haftmittel zu verwenden. – Ohne Folgen bleibt die Benachteiligung nicht.

Die Harzgehemmten spielen dann das andere Spiel… aber vielleicht wird alles besser mit dem selbstklebenden Ball.

2 Gedanken zu „Handikap Harz-Verbot

  1. Sven Antworten

    Ich bin vergangene Saison in NRW mit 16 – 17 jährigen Spielern in der Landesliga unterwegs gewesen, also in der dritthöchsten Liga der Region. Hier liegt die Verantwortung für den Einsatz von Haftmitteln beim Halleneigner – hat die Halle eine Freigabe für (wasserlöslichen) Kleber, muss für die Spiele auch das korrekte Produkt vom Heimverein zur Verfügung gestellt werden. Es waren 5 Hallen, in denen diese Freigabe erteilt wurde – mit haarsträubenden Ergebnissen.

    Die handballerische Grundausbildung hat jeder Spieler durchlaufen – aber es ist kaum vorstellbar, wie unterschiedlich Hin- und Rückspiel damit ablaufen. Überwiegend ohne Harz ausgebildet und trainiert war es klar zu sehen, das der Großteil der Jungs einen technisch sauberen Ball spielt, sichere Pässe und auch das Fangen mit einer Hand (bei entsprechender Fertigkeit) inklusive.

    Partien in harzfreien Sportanlagen liefen meist auf schnellem, hochwertigem Niveau mit sauberen Ballstaffetten und schönem Zusammenspiel.

    Als ich einen Ball in einer “klebenden Halle” mit der flachen, ausgestreckten Hand vom Boden aufnehmen konnte, dauerte es in der Partie geschlagene 10 Minuten, bis das Wurfverhalten auch nur annähernd flüssig lief – und nicht auf Höhe der Knie oder Knöchel. Vom Torwurf und der hier nötigen Präzision fange ich gar nicht erst an, ein derart massiver Missbrauch von Hilfsmitteln bedingt eine ganz andere Wurftechnik, bei der der Ball aus der Hand abgerollt wird, statt mit einer kurzen, druckvollen Bewegung gespielt zu werden (was übrigens auch die Beschreibung im Regelwerk des DHB für die Technik “Prellen” darstellt).

    Ich bestreite nicht, das im OBERSTEN Leistungsbereich Haftmittel zu mehr Sicherheit und spektakulären Ballkünsten führen – aber wieviele breitensportorientierte Vereine, die den Löwenanteil der Aktiven in Deutschland stellen, kommen in diese Spielklasse ?

    Diejenigen, die sich für ein solches Leistungsniveau empfehlen können, werden über das Förderprogramm des DHB, also Kreis- und Landesauswahl, sowie entsprechende Fortbildungen auf diese Anforderung vorbereitet – für 90% der Jugendlichen wird ein Heranführen an Kleber in den zwei Jahren der A – Jugend mehr als ausreichend sein, denke ich.

    Eine Veröffentlichung auf der Fanseite einer männlichen A empfand ich als peinlich, als es vom Team hieß “wir konnten das Spiel nicht gewinnen, weil wir nicht kleben durften”…

  2. Torsten Antworten

    …………….. ist als würde man den Fußballern die Stollenschuhe wegnehmen . Stellt Euch mal vor Bundesliga Fußball auf nem leicht feuchten Rasen mit , wegen mir noppenbesohlten Schuhen . Dann würde Fußball – die Medienwirksamste Sportart Europas – zur lustigsten und gleichzeitig lächerlichsten Sportart mutieren . Oder gehen wir noch einen Schritt weiter um Ballsportarten übergreifend einen Vergleich zum Golf und der Entwicklung innerhalb Sportarten herzustellen .
    Ich wähle den Vergleich bewußt weil heutzutage ja etliche unserer Top Trainer , Spieler , Manager und Macher ( DHB u Verbände ) diesen Sport für sich entdeckt haben und ihn lieben . Stellen wir uns mal vor …… ein Golf Pro wie Tyler Woods oder ein Liebhaber wie Stefan Kretzschmar müßten mit Holzschlägern und ohne Handschuhe spielen . Wär sicher interessant aber auch lustig zu erleben wo es diesen Sport hinführen würde ??? Ich denke und glaube es würde definitiv nicht zu seiner repräsentativen , spannend – entspannenden Wirkung beitragen und erst recht nicht mehr lukrativ Medienwirksam sein .

    Nun aber noch ein klares Wort zum Harz und pro Harz , auch wieder aus selbst erlebter Erfahrung im Leistungshandball der “Ehemaligen” , der Bundesliga , der Nachwuchsförderung Hessen , der unteren Ligen im Männerhandball .
    Es macht mich traurig und wütend mitzuerleben und anzusehen wie Talente im Jugendbereich ausgebremst werden bis zur Lustlosigkeit und der Aufgabe ihrer Leidenschaft , nämlich unseres Sportes . Mitzuerleben wie Trainer die Ihre Leidenschaft vermitteln und weitertragen wollen , an begeisterte Kids , die sich/ihn zB. Fragen ” wie ein Dreher mit fast 90 gradiger Richtungsänderung funktioniert” , demotiviert abwinken und erklären – das geht nur mit Patte/Kleber/Harz und das dürft ihr/wir hier nicht ! Wenn man dann in enttäuschte Augen schaut und entgeisterte Aussagen hört , wozu mach ich denn das , wie blöd , oder ….. son scheiß .
    Und selbst im ausklingenden Erwachsenen Bereich , man könnte es schon fast Alte Herren nennen , kommt immer mal wieder ein Spruch wie , ” früher hab ich den einfach locker reingedreht” oder ” mit Patte wär/ist mir das nie passiert ” !
    Was ich damit sagen will ist das selbst bei gestandenen ” Ex ” noch Wehmut aufkommt wenn man an die Harz Zeiten denkt .
    Natürlich gibt es immer auch Nachteile und weniger Schönes in diesem Zusammenhang , ein Kopftreffer mit vollgeharztem Ball ist echt nicht schön !!! und vollgeharzte Klamotten – weil mal wieder einer übertrieben in den Harzpott gegriffen hat auch nicht .
    Ey aber mal ehrlich , was ist das im Vergleich zu dem geilen Gefühl wenn ein Pass Millimetergenau ankommt , der Kreis den Ball einhändig sichert und daraus ein irres Tor erzielt oder ein Aussen aus Nullwinkel das Ding ins Netz kegelt .

    Sorry Leute ……….. aber das ist für mich Handball , dass ist mein Sport , da geht mein Herz auf und entfacht die alte Leidenschaft !!!!! und das wünsche ich mir für jeden der bereit ist diese Leidenschaft zu leben .

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